
Jugendarbeit: Weg von der Freizeitgestaltung, hin zur Unterstützung beim Einstieg ins Berufsleben
In der Jugendarbeit vollzieht sich ein Umbruch. Jugendarbeitslosigkeit, schlechte Bildungs- und Berufschancen, spezifische Probleme der MigrantInnen, sich gegen aussen abschliessende ethnische Gruppen sind die aktuellen Herausforderungen. Grundsätzlich zeigt sich, dass es selbst mit aufsuchender Sozialarbeit immer schwieriger wird, Jugendliche zu erreichen. Die Freizeitangebote werden heute von den kommerziellen AnbieterInnen abgedeckt. Die Jugendarbeit ist hier kaum oder nur mehr in Nischen konkurrenzfähig oder attraktiv. Ging es früher darum, Freizeitgestaltung zu ermöglichen, so liegt die zentrale Aufgabe der Jugendarbeit heute in der Beratung und Unterstützung Jugendlicher auf Jobsuche und bei der beruflichen Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Viele Jugendliche absolvieren heute keine geradlinigen Ausbildungswege mehr, sondern schalten Zusatzschlaufen ein. Zwar hat sich die Lehrstellensituation allgemein verbessert. Für viele Jugendliche mit ungenügenden Sprachkenntnissen und bildungsfernem familiärem Hintergrund sind die Berufsaussichten jedoch schlicht katastrophal. Das Wegfallen von Hilfsjobs verschärft ihre Situation. Viele haben zudem den Atem für eine 3-4jährige Lehre nicht, oder ihre mangelhaften Deutschkenntnisse als MigrantInnen erschweren ihnen den Berufseinstieg zusätzlich. Hier geht es darum, vermehrt niederschwellige Angebote(wie z.B. mit Migros oder ABB bereits realisiert) gerade auch in Boombereichen wie der Informatik zu entwickeln, damit die Jugendlichen mit ihrem Wissensstand und ihren Fähigkeiten auch eine Möglichkeit zum Berufseinstieg erhalten. Jugendarbeitslosigkeit hat verheerende Auswirkungen auch auf die soziale Integration.
Ein grosser Teil der sozial oder beruflich schlecht integrierten Jugendlichen wird von der professionellen Jugendarbeit jedoch gar nicht erreicht. Die Angebote der Jugendarbeit gehen ganz einfach an ihnen vorbei. Dies gilt für ganze Gruppen von ausländischen Jugendlichen, die selbst mit aufsuchenden Formen der Jugendarbeit kaum erreicht werden können. Dabei erlangt der Zugang zu den Jugendlichen über die Schule - über die Schulsozialarbeit, aber auch über Jugendtreffs - immer stärkere Bedeutung. Unbefriedigend ist die Stellung von Mädchen und jungen Frauen - insbesondere aus Immigranten- und Schweizerfamilien mit problematischen Familienverhältnissen: Da die Einrichtungen der Jugendarbeit zum überwiegenden Teil von männlichen Jugendlichen in Anspruch genommen werden, kommen die berechtigten Interessen der weiblichen Jugend unter die Räder.
Wirksame Vernetzung
Es gibt viele Angebote und Einrichtungen im Bereich Jugendarbeit. Diese sind aber - wie die Jugendhilfe insgesamt - schlecht koordiniert. Ungenügend ist zum einen die Vernetzung zwischen den verschiedenen Institutionen. Es fehlt aber auch an der Vernetzung zwischen der Stadt und den privaten Institutionen. Die Zusammenarbeit mit Amtsstellen, die mit Jugendlichen zu tun haben, wie Schule, gesetzliche Jugendhilfe, Polizei usw. funktioniert auf der Leitungsebene recht gut, nicht aber auf der Ebene der praktisch Tätigen. Was fehlt ist eine unabhängige gesamtstädtische Fachstelle für Jugendfragen verbunden mit einem ämterübergreifenden Jugendforum, in dem sich SchulpräsidentInnen, VertreterInnen der Jugendanwaltschaft, der Jugendsekretariate und der offenen Jugendarbeit sowie Chefbeamte aus dem Sozialdepartement und der Polizei regelmässig treffen, Probleme auf den Tisch bringen und gemeinsame Lösungsansätze entwickeln.
Qualifizierte Betreuung
Interkulturelle Teams sind die Realität und die Zukunft der Jugendarbeit. Dies wird sowohl in der Ausbildung als auch am Sozialmarkt selbst noch viel zu wenig beachtet. Gerade für den Zugang zu den neuen ausländischen Gruppierungen fehlen bereits heute MediatorInnen aus diesen Kulturen. Die verstärkte Akademisierung des Berufs des Sozialpädagogen/der Sozialpädagogin zeitigt hier negative Auswirkungen. Gerade für KulturvermittlerInnen oder MediatorInnen ist die Schwelle, sich eine sozialpädagogische Ausbildung an der Fachhochschule zu erwerben, oft zu hoch. Umgekehrt sind an den Fachhochschulen ausgebildete SozialpädagogInnen kaum mehr bereit, in die anstrengende und prestigemässig unattraktive soziokulturelle Arbeit mit Randgruppen-Jugendlichen einzusteigen. Eine neue und niederschwelligere Ausbildung anstelle eines Studiums könnte konkret und schnell Abhilfe schaffen, indem gezielt KulturvermittlerInnen und MediatorInnen ausgebildet werden.
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